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Dieser Akt glich einer kleinen Sensation: In luftiger Höhe – 30 Meter vom Erdboden entfernt – in einem "riesigen" Riesenrad gaben sich Kerstin Krause und Torsten Heinrich das Ja-Wort als Eheversprechen. Das geschah alles im Rahmen der Weltausstellung aus Anlass der 500 Jahre der Reformation in Wittenberg. Beide bekleiden ein Pfarr- amt und wollten damit auch das reformatorische und das tolerante Gedankengut – in den Lutherischen 95 Thesen geprägt – an der Schloßkirche zu Wittenberg – verbreitet wissen.

Oberbürgermeister von Wittenberg als Standesbeamter

In einer für das Zeremoniell präparierten Gondel gaben sie sich das für einander bestimmte Ja-Wort. Der Akt wurde durch den Oberbürgermeister von Wittenberg, Thorsten Zugehör, vollzogen. Und als sie nach dem Ringetausch den Erdboden erreicht hatten, nannte sie sich Frau Heinrich.
Der Oberbürgermeister fungierte in diesem Falle als Standesbeamter - rechtlich prädestiniert dafür - und musste nach kurzer Überlegung eingestehen: "Das war die höchste Trauung, die ich bisher vollzogen hatte. Denn eine derartig zu trauende Situation mit 2 Seelsorgern hatte es bei mir vorher noch nicht gegeben."

Große Resonanz mit Tendenz zur Nachahmung bei den Zuschauenden

Diese Trauung zog natürlich viele Interessenten und Schaulustige an. Die beiden Hannoveraner Dorothea Lenz und Udo Schreiber waren extra zu diesem Zeremoniell und zur Besichtigung der Welt- ausstellung – Reformation – angereist. Sie hielten sehr vertraut ihre Hände, bis es aus Dorothea herausplatzte: "Wir wollen uns jetzt auch so trauen lassen. Und gehen gleich zum Bürgermeister und tragen ihm unser Anliegen vor."
Doch daraus wurde nichts. Der Bürgermeister war noch von der Hochzeitsgesellschaft in Anspruch genommen.

Für diese Trauung wurde sogar die Gerichtsbarkeit bemüht

Diese Trauung sorgte im Vorfeld für viel Wirbel, teilweise auch für Ärger. Doch so außergewöhnlich ist dieser Ort des Geschehens eigentlich nicht. So sind derartige "Trauzimmer" auch auf einem Elb-Schiff in Schönebeck und auf dem Brocken bisher eingerichtet worden. Und auch dort wurden derartige Trauungen vollzogen. Diese Trauung auf dem Riesenrad, in der "Gondel 18", bzw. Hochzeits- Gondel, sorgte also im Vorfeld für viel Widersprüchlichkeit.

Der Landkreis widersetzte sich anfangs dieser Art der Eheschließung

So untersagte der Landkreis diese Eheschließung. Der Zuständige vom Amt für Ordnung und Straßenverkehr monierte, dass die Eheschließung auf dem Riesenrad nicht den Rahmen für eine ehrwürdige Trauung geben würde. Der Landkreis in Persona von Holger Zubke wiedersetzte sich trotzig. Daraufhin reichte der Wittenberger Oberbürgermeister beim Verwaltungsgericht in Halle eine "Klageschrift" ein. Doch zu einer Entscheidung kam es nicht.

Einigung vorher ohne Richterspruch

In einer vertrauten Atmosphäre einigten sich die beiden "Parteien” vorher. Danach konnte die Trauung vollzogen werden.
Luthers Ausspruch "den Leuten aufs Maul geschaut" ließ sich auch bei der Gondelfahrt ins Eheglück der beiden Seelsorger symbolisch und sprachlich nachvollziehen. "Das zuschauende Volk" stimmte ein lautes, begeisterndes Hallo an, es gab auch viele Bravo-Rufe, und andere Zustimmungsbekundungen schallten bis in die Höhe der beiden glücklichen Eheleute hinauf. Wahrscheinlich wird es auch weitere Nachahmer für dieses Nostalgie-Rad geben.

Ulrich Behrens